Auf
deutsche USA-Urlauber kommen erneut Veränderungen bei
den Ein- und Ausreiseverfahren zu. Vom Januar 2009 an müssen
sie sich spätestens drei Tage vor ihrer Ankunft im
«Land der unbegrenzten Möglichkeiten» online
bei den US-Behörden registrieren.
Wie auf der US-Reisemesse Pow Wow in Las
Vegas deutlich wurde, sind einige Detailfragen
rund um diese Anmeldung allerdings noch unklar. Sicher
ist, dass in den kommenden Monaten sämtliche US-Grenzübergänge
mit neuen Lesegeräten für Fingerabdrücke
ausgestattet werden, die alle zehn Finger scannen - bisher
ist dies erst an zehn Flughäfen der Fall. Und auch
bei der Ausreise sollen vom Juni 2009 an die Fingerabdrücke
abgegeben werden.
Dem neuen Programm für die Online-Registrierung
von Reisenden hat das US-Heimatschutzministerium den Namen
«Electronic System for Travel Authorization»
(ESTA) gegeben. Im August soll ein Probebetrieb starten,
verbindlich werden soll das Verfahren am 12. Januar 2009.
Im Internet werden den Reisenden dabei Fragen gestellt,
die bislang auf den Einreiseformularen beantwortet werden
müssen, die im Flieger verteilt werden. Dies betrifft
Touristen aus Ländern, die am «Visa Waiver
Program» teilnehmen und von der Visumspflicht befreit
sind. Wie für 26 andere Länder, gilt dies seit
1983 auch für Deutschland.
Wer sich einmal online registriert hat, kann zwei Jahre
lang immer wieder in die USA einreisen, ohne erneut eine
Anmeldung vorzunehmen, erklärte Laurel Smith von
der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde. Ob es Ausnahmen
von der dreitägigen Frist für eine Reiseanmeldung
geben wird, konnte sie jedoch nicht beantworten. Probleme
mit der Drei-Tage-Frist dürften vor allem Geschäftsreisende
bekommen, die spontan in die USA reisen möchten,
aber noch nicht bei den Behörden registriert sind.
Ähnliches gilt für Privatreisende, die ohne
eine lange Vorausplanung über den Atlantik fliegen
wollen, etwa bei schweren Erkrankungen von nahen Angehörigen.
Bei der US-Reisebranche stößt die Neuregelung
auf positive Resonanz. An das Online-Verfahren «werden
sich die Reisenden gewöhnen», sagte Roger Dow,
der Präsident des Branchenverbandes TIA, in Las Vegas.
Es sei «ein Versuch, die schriftlichen Dokumente
aus dem Weg zu räumen und die Einreise insgesamt
effizienter zu machen».
Auch Rita Hille, Präsidentin des Visit USA Committee
Germany, sieht eher Vorteile: «Der Papierkram fällt
künftig weg.» Das ganze Verfahren ähnele
dem Vorgehen Australiens, das viele Urlauber als unproblematisch
empfänden. Und in den wenigen Fällen, in denen
die USA eine Einreise verweigern, werde das dem Betroffenen
künftig schon in Deutschland mitgeteilt - statt von
einem Einwanderungsbeamten auf einem weit entfernten Flughafen
mit einer sofortigen Rückreise als Folge. Ohne eine
Anmeldung werde von 2009 an keine Fluggesellschaft mehr
USA-Reisende an Bord nehmen, erwartet Hille. Einige Fragen
seien aber noch zu klären - etwa ob Reisebüros
die Anmeldung für Touristen ohne Internetzugang übernehmen
dürfen.
Neuigkeiten gibt es auch beim Einreisevorgang selbst,
an dem sich durch die Online-Registrierung nichts ändern
wird. Seit 2004 sammelt das Programm US Visit biometrische
Daten von Besuchern. Bisher werden dabei an vielen Grenzübergängen
Lesegeräte eingesetzt, die für die beiden Zeigefinger
ausgelegt sind. Ein neues System mit dem Scannen aller
zehn Fingerabdrücke gibt es in New York, Washington,
Atlanta, Boston, Chicago, Houston, San Francisco, Miami,
Detroit und Orlando.
Bis zum Jahresende soll dieses Verfahren von allen Einreisestellen
auf dem Land-, Luft- und Seeweg übernommen werden,
sagte US-Visit- Direktor Robert Mocny in Las Vegas.
Von US Visit seien bisher Daten zu 90 Millionen Menschen
erfasst worden, so Mocny. Mit ihrer Hilfe seien bei der
Einreise immerhin 2400 Menschen gefasst worden, die zum
Beispiel gestohlene Pässe benutzten oder in den USA
wegen eines Verbrechens gesucht wurden.
Auch bei der Ausreise aus den Vereinigten Staaten werde
es vom Juni 2009 an eine Kontrolle der Fingerabdrücke
geben, kündigte Mocny an. Dadurch soll etwa verhindert
werden, dass Urlauber oder Inhaber eines Visums ihre erlaubte
Aufenthaltsdauer im Lande überziehen. Umstritten
sei derzeit nur noch die Frage, wer diese Arbeit erledigt.
Die US-Regierung habe dafür die Fluggesellschaften
vorgeschlagen.